Das Licht

Torgny Lindgren
in einer Bühnenfassung von Tom Blokdijk und Koos Terpstra, aus dem Niederländischen von Uwe Dethier

Die sieben letzten Bewohner des Dorfes Kadis, in dem einmal ein paar hundert Menschen lebten, versuchen sich zu erinnern, wie ihre kleine Welt zu dem wurde, was sie ist: Jasper, ein junger Bauer, der gern Geschichten erzählte, ging in die Stadt, um sich eine Frau zu suchen. Eine Frau, die er nicht kannte und doch fest vor Augen hatte. Wenige Tage später kehrte er nach Kadis zurück – ohne Frau, dafür mit einem trächtigen Kaninchen: „Wo es Kaninchen gibt, bleibt nichts, wie es war, da geschehen Wunder.“ Am nächsten Morgen war Jasper tot. Und weil die Menschen seine Geschichten fürchteten, schmiedete man ihm ein Schloss auf den Mund. Das war das Jahr, in dem alle Menschen anfingen zu sterben. Das Kaninchen brachte die „Große Krankheit“, und die verbliebenen Bewohner sind nun gezwungen ihr Leben und die Dorfgemeinschaft neu zu ordnen … Alle Gesetze und Gewissheiten, die Identität stifteten, stehen auf dem Spiel und müssen neu verhandelt werden. Was ist erlaubt? Was nicht? Wem gehört was? Setzt man der Maßlosigkeit eine Grenze oder testet man Grenzen aus? In dieser Unordnung hört auch die Wahrheit auf zu existieren und alles scheint möglich.
Torgny Lindgren (1938–2017) war einer der bedeutendsten schwedischen Schriftsteller des letzten Jahrhunderts. Tom Blokdijk bearbeitete zusammen mit Koos Terpstra den 1987 erschienenen Roman „Ljuset“ 2007 für das Theater. An der WLB Esslingen kommt die dunkle Fabel nun erstmals auf eine deutsche Bühne.

„Die Protagonisten sind Menschen, die an ihrer eigenen Dreistigkeit und Bosheit ersticken. Auf den Spagat, diese Anti-Helden zu verkörpern, lässt sich das Ensemble der WLB mit verblüffender Überzeugungskraft ein. (...) Wie Regisseur Vandeputte die Spielerinnen und Spieler mit kraftvollem Körpertheater an Grenzen peitscht, ist bemerkenswert. (...) Vandeputte \[ist] eine Inszenierung gelungen, die im allerbesten Sinn aufwühlt und verstört." (Esslinger Zeitung, E. Maier)

„Absurdes Theater, in dem Lindgrens bildliche Sprache sich berückend entfalten kann. (...) Klar, dass der Abend vom spielfreudig auftrumpfenden Ensemble getragen wird." (Stuttgarter Zeitung, V. Großkreutz)