Württembergische Landesbühne Esslingen › September 2010

Spielzeit 2010/11:
› 24 Stunden in der fünften Woche
› Bezahlt wird nicht
› Dantons Tod
› Das Nibelungenlied
› Das Spiel vom Fragen
› Der Zauberer von Oss
› Die große Frage
› Dylan - The Times They Are a-Changin
› Edgar vom Stern
› Fasten Seat Belts oder Viel Glück zum Alltag!
› Faust I
› Jedermann
› John Gabriel Borkman
› Johnny Hübner greift ein
› Kalle Blomquist, Meisterdetektiv
› Klagelied einer Wirtshaussemmel
› Kleiner Mann was nun?
› Lost and Found: Ein Herz und andere Dinge
› Pinocchio
› Pippi außer Rand und Band
› Prinzessin Ulla und die schöne Lau
› Zottelkralle


Liebster Vater, du zerreißt mich wie einen Fisch
Texte von Franz Kafka


Während einer Erholungskur im nahe Prag gelegenen Schelesen schrieb der 36jährige Franz Kafka im November 1919 einen über einhundert Seiten langen Brief an seinen Vater, den Kaufmann Hermann Kafka. Er ist gekennzeichnet von extremen Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstzweifeln des Versicherungsangestellten und Schriftstellers, Emanzipationsversuchen und Unterwerfungsangeboten des Junggesellen, beinhaltet aber auch messerscharfe Anklagen gegen die Übermacht des patriarchalischen Vaters. Dieser Brief ist eines der erschütternsten Dokumente über den Menschen Franz Kafka und gleichzeitig ein Schlüsseltext zu seinem Werk. Schon in seiner frühen Erzählung „Das Urteil“ setzt sich Kafka mit diesem Konflikt auseinander, der in vielen seiner Werke auftaucht. Kafka ging jedoch über die psychologische Ebene der Vater-Sohn-Problematik hinaus und beschrieb Machtstrukturen auch in gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen. „Liebster Vater, du zerreißt mich wie einen Fisch“ ist eine Montage von Kafka-Texten, in dessen Zentrum der „Brief an den Vater“ steht. Passagen aus dem Brief werden von kurzen Erzählungen, Tagebuchnotizen und Briefzitaten flankiert, die zwischen Verzweiflung und Komik, Angst und Widerstand, Traum und Realität von Kafkas Gedankenwelt erzählen. Seine Texte öffnen überraschende Perspektiven auf die Welt und faszinieren gerade dadurch, weil sie nicht vollständig erfassbar sind und dennoch einzigartige Bilder unserer Zeit und Existenz beinhalten. Am 3. Juni 1924 verstarb Franz Kafka im Alter von 40 Jahren an einer Lungenkrankheit. Den „Brief an den Vater“ fand man in seinem Nachlass – er hat ihn nie abgeschickt, der Vater hat ihn nie gelesen.

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Premiere: 21.4.2007
Inszenierung: Solvejg Bauer, Reiner Müller
Ausstattung: Michaela Springer
Es spielen: Nadine Ehrenreich, Roman Hemetsberger, Jürgen Lingmann