Agnes

Peter Stamm

„Agnes ist tot“ – damit beginnt der namenlose Erzähler seine Geschichte. Allein sitzt er in seiner Wohnung in Chicago und sieht sich immer wieder ein Video an, das seine Freundin Agnes im letzten Jahr bei einer Wanderung durch einen Nationalpark aufgenommen hat. Dann schildert er rückblickend die Ereignisse der letzten neun Monate: Im Lesesaal der Chicago Public Library begegnen sie sich zum ersten Mal. Agnes schreibt an ihrer Dissertation, er ist Sachbuchautor und beschäftigt sich mit amerikanischen Luxus-Eisenbahnwaggons. Den ersten Blicken folgen ein Kaffee, eine Zigarette und ein kurzes Gespräch auf der Treppe. Dann eine erste Verabredung zum Essen, weitere Dates und schließlich eine gemeinsam verbrachte Nacht. So weit, so gewöhnlich. Da hat Agnes eine Idee: Wie wäre es, wenn er über sie schriebe? Er lässt sich überreden und erfindet die Frau an seiner Seite neu. Sie ziehen zusammen – weil er es geschrieben hat. Doch dann wird Agnes ungeplant schwanger, das stand in dieser Form nirgends. Es kommt zur Trennung, er flüchtet vor seiner Verantwortung in die Arme einer anderen Frau. Er versucht, die Geschichte zu korrigieren, schreibt über eine gemeinsame Zukunft mit Agnes und Kind. Und tatsächlich kommt sie zurück, allerdings ohne Kind. Das Happy End der Geschichte funktioniert nicht, eine tragische Wendung muss her …
Der Autor Peter Stamm lotet in dieser Geschichte, die in Baden-Württemberg zum Abiturstoff zählt, die Grenzen zwischen Realität und Phantasie aus und erzählt von der
(Un-)Möglichkeit einer Liebesbeziehung und dem Verhältnis von Bild und Realität – und letztlich auch von der Macht der Literatur.

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