Die Hauptsache

eine Produktion des Deutschen Gehörlosentheaters

Die Hauptsache
Das Leben ist ein Trauerspiel – zumindest für die Besucher/innen einer mysteriösen Wahrsagerin in einem namenlosen, russischen Städtchen. Hunger und Krankheit, Trübsinn und Einsamkeit greifen um sich und verdüstern die Gedanken der Leute. Bis ein reicher Lebemann beschließt, die Gemüter dieser Menschen aufzuhellen. Doch wie erwärmt man ein kaltes Herz? Mit der Kraft der Maskerade, mit dem Zauber des Theaters! Flugs beschafft sich besagter Wohltäter drei äußerst erfolglose Schauspieler/innen und zieht mit ihnen verdeckt in ein Wirtshaus, wo sich all die traurigen Gäste der Wahrsagerin einquartiert haben. Dort beginnt ein buntes Verwirrspiel der Gefühle. Die junge Tänzerin gibt sich als Hausmädchen aus und verführt den selbstmörderischen Studenten. Ihr Ehemann, der Schauspieler, mimt den beflissenen Angestellten und flirtet mit der blässlich kranken Stenotypistin, während die Komikerin ununterbrochen Wodka trinkt und nebenbei der verbitterten Oberlehrerin Beruhigungsmittel verabreicht. Herzen werden entflammt, Paare verlieren und finden sich und über all dem wacht mit einem milden Lächeln der ominöse Wohltäter. Finden die Paare die wahre Liebe und das Glück? Werden die maskierten Schauspieler/innen enttarnt? Und wo steckt eigentlich dieser Ehebrecher, den scheinbar alle suchen?

„Die Hauptsache“ ist eine Komödie des 1953 verstorbenen, russischen Theatermachers Nikolai Evreinov. Das Deutsche Gehörlosentheater unter der künstlerischen Leitung von Jeffrey Döring schreibt diese heitere Maskerade um und kreiert einen Abend über Liebe, Verstellung und die Kunst, sich trotz sprachlicher Hürden zu verständigen. Auf der Bühne agieren sowohl gehörlose als auch hörende Darsteller/innen. Während die Gehörlosen in Deutscher Gebärdensprache kommunizieren, nutzen die Hörenden die Deutsche Lautsprache. Die Kluft zwischen den Sprachen, das Miss- und Nichtverstehen wird zum zentralen Dreh- und Angelpunkt der Inszenierung.
Das Publikum taucht in diesen Strudel sprachlicher Verwirrungen ein. Was hat mein Gegenüber gerade gebärdet? Was soll mir diese Geste des Hörenden sagen? Wie kann diese Kluft zwischen gehörlosen und hörenden Figuren überbrückt werden?
Im Verlauf des Stücks kommunizieren die gehörlosen wie hörenden Akteur/innen immer mehr durch Mittel der Maskerade, des gemeinsamen Spiels und des theatralen Bildes. Wie könnte wohl eine Gesellschaft aussehen, in der es unerheblich ist, ob man gehörlos ist oder hörend? Wie viel vermögen wir durch einen Blick, durch eine Berührung, durch ein Lächeln zu sagen? Wie sähe eine Sprache des Herzens aus, anstelle der Sprachen der Hände und des Mundes?