Der stumme Diener

Harold Pinter

Der stumme Diener
In einem fensterlosen Zimmer im Souterrain eines verlassenen Gebäudes sitzen Ben und Gus und warten auf ihren nächsten Auftrag. Während Ben Zeitung liest und die Passagen laut zitiert, die er interessant findet, tigert Gus nervös durch den Raum. Die beiden arbeiten für Mr. Wilson, den ominösen Boss einer mysteriösen Organisation, der ihnen über einen alten Speiseaufzug, einen stummen Diener, Anweisungen gibt. Entweder müssen sie bei Nacht und Nebel das Haus verlassen und draußen ihre Arbeit machen – oder die Türe öffnet sich und ihr nächstes Opfer steht vor ihnen. Doch neben den Arbeitsaufträgen kommen überraschenderweise auch Essensbestellungen an, die sie mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu erfüllen versuchen. Gus wird spätestens seit ihrem letzten Auftrag von Zweifeln gepeinigt und beginnt, über den tieferen Sinn ihrer Tätigkeit zu rätseln. Ben hingegen ist längst im sturen Weitermachen erstarrt. Zwischen den beiden herrscht ein gefährliches und immer größer werdendes Misstrauen. Die Spannung steigt, je näher der nächste Auftrag rückt.
„Der stumme Diener“ entstand 1957 als zweites Theaterstück des britischen Dramatikers Harold Pinter. Wie andere frühe Werke des Literaturnobelpreisträgers zählt es zum Absurden Theater und weist Anklänge an Samuel Becketts „Warten auf Godot“ auf. Humorvoll und existenziell zugleich verhandelt Pinter darin die Frage nach der Entfremdung des Menschen in der zunehmend als sinnlos empfundenen Wirklichkeit einer industriellen Gesellschaft.