Der zerbrochne Krug

Heinrich von Kleist

In Huisum ist Gerichtstag. Doch als Schreiber Licht am Morgen Dorfrichter Adam einen Besuch abstattet, ist dieser nicht nur seltsam zerstreut, sondern auch verwundet. Schuld an allem soll der Ofen sein. Noch dazu ist Gerichtsrat Walter zur Inspektion aus Utrecht angereist. Ohne die obligatorische Perücke und unter Beobachtung muss Adam seines Amtes walten. Vor Gericht erscheint Frau Marthe Rull, im Schlepptau hat sie ihre Tochter Eve. In deren Kammer ist in der vergangenen Nacht ein Krug zerbrochen und Ruprecht, ihr Verlobter, soll der Täter sein. Doch Ruprecht streitet ab. Und Eve - schweigt. An Aufklärung nicht interessiert, lenkt Dorfrichter Adam den Verdacht wortreich mal hierhin, mal dorthin. Denn den wahren Täter kennt er nur zu gut ...
Heinrich von Kleist schrieb sein abgründiges und sprachgewaltiges Lustspiel, das 1808 von Goethe uraufgeführt wurde, vor dem Hintergrund großer politischer und gesellschaftlicher Umbrüche. Tatsächlich ist Huisum, das fiktive Dorf bei Utrecht, nur auf den ersten Blick possierlich: Mit der Zerstörung des Kruges, auf dem die Gründungsszene des niederländischen Staates abgebildet ist, zeichnet Kleist das Bild einer düsteren Zukunft.