Der Trafikant (UA)

Robert Seethaler

Nußdorf am Attersee, in dieser Idylle erblickt Franz Huchel 1920 das Licht der Welt, wenige Tage nachdem sein Vater von einer morschen Eiche erschlagen wurde. 17 Jahre später gibt ein weiterer Todesfall dem Leben des jungen Mannes eine neue Richtung: Der Liebhaber seiner Mutter wird vom Blitz getroffen, fortan ist es mit der finanziellen Unterstützung für Witwe Huchel und Franz vorbei. Und so schickt die Mutter den Sohn in die große Stadt Wien, wo ihr der Trafikant Otto Trsnjek noch einen Gefallen schuldet und Franz in seiner Trafik für Tabakwaren und Zeitungen anstellt. Er verdonnert den unbedarften Jungen zur Zeitungslektüre, denn „keine Zeitung zu lesen hieße, kein Trafikant zu sein, wenn nicht gar: kein Mensch zu sein.“ Zu den Stammkunden der Trafik gehört auch Sigmund Freud, der „Deppendoktor“, wie Franz erstaunt feststellt. Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft, die Franz sehr gelegen kommt. Im Prater verliebt er sich in Anezka, eine Böhmin, und da schadet es nicht, jemanden an seiner Seite zu haben, der sich mit der Psyche des Menschen etwas auskennt. All das passiert inmitten politischer Katastrophen. Im März 1938 wird Österreich an das Deutsche Reich „angeschlossen“. Nichts ist wie vorher und Franz muss schnell erwachsen werden …
Robert Seethalers Roman wurde nach seinem Erscheinen im Jahr 2012 von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert. Für die WLB hat er selbst die Dramatisierung geschrieben, die hier zur Uraufführung kommt.