Die Nashörner

Eugène Ionesco

Die Nashörner
Ob man es glauben will oder nicht: Ein Nashorn galoppiert durch die Stadt und zerstört alles um sich herum! Kaum hat sich der Staub gelegt, rennt ein zweites Nashorn vorbei und dann ein drittes und ein viertes ... Schnell kursieren die unterschiedlichsten Theorien über dieses seltsame Ereignis. Auch im juristischen Verlagshaus der Stadt wird heftig spekuliert, bis man zu der Erkenntnis kommt: Die Nashörner sind nichts anderes als verwandelte Stadtbewohner. Ihre Verwandlung ist ansteckend und erfolgt schleichend. Hat man sich erst an die Nashörner gewöhnt, merkt man die eigene Verwandlung kaum und fühlt sich, im Gegenteil, sogar ausgesprochen wohl.
Lediglich einer scheint einen kühlen Kopf zu bewahren: Behringer - von dem man es am wenigsten erwartet hätte. Denn der Kollege ist ein notorischer Zuspätkommer, ständig müde, von oben bis unten ungepflegt, vom Leben gelangweilt und dem Alkohol nicht gerade abgeneigt. Er ist der einzige, der sich am Ende nicht infiziert hat: Er ist und bleibt ein Außenseiter.
Die Nashörner gehört zu den bekanntesten Stücken des Absurden Theaters. Mit seiner Uraufführung 1959 in Deutschland gelang Eugène Ionesco der Durchbruch in Europa. Die Hauptfigur Behringer, die in mehreren seiner Stücke auftaucht, trägt deutliche Züge eines Selbstporträts des französisch-rumänischen Autors. Durch ihn kritisierte er die Absurditäten der Gesellschaft und besonders den versteckten Zwang zu Konformität, den er um sich herum beobachtete.