Doctor Faustus' Magical Circus Part II (UA)

Martin Lingnau, Wolfgang Adenberg

Hereinspaziert! Hereinspaziert! Folgen Sie uns in die fantastische Welt von Fizz, dem Zirkusdirektor in Doctor Faustus‘ Magical Circus. Und Fizz, besser bekannt unter seinem bürgerlichen Namen Mephistopheles, lässt wahrlich die Puppen tanzen. Was er dem Publikum präsentiert, ist nicht weniger als der komplette „Faust II“ – aber so, wie man ihn noch nie gesehen hat, irgendwo zwischen Weimarer Klassik, „Rocky Horror Show“ und Monty Python. Von „der Tragödie erster Teil“ noch schwer gebeutelt, erhält Faust eine radikale Verjüngungskur. Er ist dabei, als sich die Finanzkrise des Staates durch die Erfindung des Papiergeldes scheinbar wie von selbst in Wohlgefallen auflöst und verliebt sich unsterblich in die schöne Helena, die er fortan zu gewinnen sucht. Faust wohnt der Erweckung des Homunculus bei, fliegt auf einem Besen durch die Luft, nimmt einen Drink in einer Kneipe namens „Witches Place“ und bittet schließlich Persephone, die Herrin der Unterwelt, darum, Helena nochmals aus dem Totenreich zu entlassen (eine Szene, die Goethe leider nicht ausgeführt hat, die nun aber endlich und zum allerersten Mal auf die Bühne kommt). Goethe selbst bezeichnete seinen „Faust II“ als „schlicht inkonsumerable Aneinanderreihung von Szenen und Metaphern“. Ein Glück, dass dem Publikum Professor Mathias Eckermann, ein direkter Nachfahre des Goethe-Adlatus Johann Peter Eckermann und ausgewiesener Experte des klassischen Genies, zur Seite steht. Er hat im Nachlass eine Handreichung seines Vorfahren entdeckt, die in Fizz’ Circus immer dann zum Einsatz kommt, wenn man den Überblick zu verlieren droht.
Der Komponist und Autor Martin Lingnau (u. a. „Das Wunder von Bern") hat mit dem Songtexter Wolfgang Adenberg einen höchst unterhaltsamen, musikalischen Parforceritt durch den sonst eher als spröde angesehenen zweiten Teil von Goethes Tragödie geschaffen – erhellende Einsichten inklusive.