Frau Emma kämpft im Hinterland

Ilse Langner

Drei lange Jahre schon dauert der Erste Weltkrieg. Die Begeisterung ist längst dahin. Lebensmittel und Kohlen gibt es nur mit Marken, in Berlin herrscht verschärfter Belagerungszustand, ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht. Während die Männer in den Schützengräben kämpfen, versuchen die Frauen in der Heimat so etwas wie einen Alltag zu bestreiten – und die Kinder großzuziehen. "Alles kann ich hier ertragen," sagt Frau Emma, "den Hunger, die Trauer ringsum, die Angst um den Mann. Aber das Kind, dafür würde ich kämpfen gegen die ganze Welt." Um ein wenig Geld zu verdienen, vermietet sie ein Zimmer an Herrn Meinhart vom Brotmarkenamt. Er ist ein unangenehmer Kerl mit Klumpfuß und ein Schieber, wie er im Buche steht. Speck gegen Sex ist seine Devise. Als ihre kleine Tochter Ursel an der Hungergrippe erkrankt, geht Frau Emma, die bisher "noch nicht ein Viertelpfund Butter hintenrum bekommen" hat, tatsächlich mit ihm ins Bett. Ursel ist bald wieder gesund und Frau Emma schwanger. Sie sucht Hilfe bei Lotte, dem Nachbarsfräulein, das bei Kriegsbeginn noch "Jungmädchenideale im Herzen" trug und sich inzwischen prostituiert.
In ihrer 1928 verfassten "Chronik in drei Akten" stellt Ilse Langner (*1899; †1987) dem Kriegserlebnis der Soldaten die Erfahrungen der Frauen an der Heimatfront entgegen. Eindringlich schildert sie den Kampf um Nahrung und Kohlen und die zunehmende Entfremdung zwischen Frauen und Männern. Beide Seiten erwarten Dankbarkeit, sind aber unfähig, Anerkennung zu schenken.