Glaube Liebe Hoffnung

Ödön Horváth

Glaube Liebe Hoffnung
Ödön von Horváths "Totentanz in fünf Bildern" beginnt, wo er auch enden wird: Die junge Elisabeth möchte dem Anatomischen Institut ihre Leiche verkaufen, da sie dringend Geld für einen Wandergewerbeschein braucht, um arbeiten zu dürfen. Ihre Leiche wird sie nicht los, doch der Präparator, "ein herzensguter Mensch" mit Hintergedanken, borgt ihr die nötige Summe. Als er herausfindet, dass Elisabeth mit den 150 Mark keinen Wandergewerbeschein erworben, sondern eine Vorstrafe abbezahlt und sich von ihrer Arbeitgeberin dieselbe Summe für denselben Zweck geliehen hat, fühlt er sich hintergangen. Elisabeth landet wegen Betruges im Gefängnis. Da interessiert es auch niemanden, dass sie die Vorstrafe nur bekommen hat, weil sie ohne Wandergewerbeschein gearbeitet hat. Gesetz ist schließlich Gesetz. Ein Teufelskreis – aber Elisabeth bleibt tapfer. Als sie wieder auf freiem Fuß ist, sucht sie, die immer "ihr eigene Herr" sein wollte, sich einen Mann – ausgerechnet einen Polizisten - und erhofft sich nicht nur Liebe, sondern auch Sicherheit. Den beiden geht es gut miteinander. Bis Alfons von ihrer Vorstrafe erfährt ...
"Glaube Liebe Hoffnung könnte jedes meiner Stücke heißen," schreibt Ödön von Horváth über sein Werk, das auf den Erfahrungsberichten des Gerichtsreporters Lukas Kristl basiert und 1936 in Wien uraufgeführt wurde.
Während Kristl sich ein Stück gegen die unmenschliche Anwendung "kleiner Paragraphen", wie er sie tagtäglich erlebte, erhoffte, werden seine Berichte bei Horváth zum Material, "um wiedermal den gigantischen Kampf zwischen Individuum und Gesellschaft zeigen zu können, dieses ewige Schlachten, bei dem es keinen Frieden geben wird."“In meist knappen Bildern zeigt der Autor die Höhepunkte einer Abstiegsgeschichte, die in der ökonomischen und sozialen Isolation einer tatkräftigen jungen Frau endet. Elisabeth wird zerrieben zwischen Bagatellen und Alltäglichkeiten - so alltäglich, dass es niemandem auffällt.