Das Urteil von Nürnberg

Abby Mann

Das Urteil von Nürnberg
Dan Haywood ist überzeugter Republikaner und Richter in der amerikanischen Provinz. 1948 soll er in Nürnberg einen Prozess gegen vier Juristen des NS-Staates leiten. Auf der Anklagebank sitzen der ehemalige Justizminister Dr. Ernst Janning und die Richter Emil Hahn, Friedrich Hofstetter und Werner Lampe. Die letzten drei erklären sich für „nicht schuldig, allein Janning schweigt. Haywood will verstehen, wie ein so kluger und während der Weimarer Republik hoch angesehener Jurist wie Janning die Nationalsozialisten gewähren lassen und ihrem Unrechtsstaat sogar aktiv als Richter und Minister dienen konnte. Jannings junger, ambitionierter Verteidiger hingegen will seinen Mandanten von jeder Schuld freisprechen und zeigen, dass dieser nur Befehlsempfänger war und nach gültigem Recht gehandelt hat. Auch außerhalb des Gerichtssaales trifft Haywood auf Schweigen, Entschuldigungen und Ausflüchte, als er versucht, die Gesinnung und Gründe nachzuvollziehen, die die Verbrechen der Nationalsozialisten möglich machten.
In den Nürnberger Prozessen wurden zwischen 1945 und 1949 die Fundamente für ein neues internationales Strafrecht gelegt, das die Nachkriegszeit nachhaltig beeinflusste. Gleichzeitig gehören die damaligen Urteile der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs zu den umstrittensten Akten der Geschichte internationaler Rechtsprechung. 1961 verfilmte der amerikanische Regisseur Stanley Kramer Abby Manns Drama "Das Urteil von Nürnberg". Zwar sind die Figuren frei erfunden, dennoch beziehen sich wesentliche Aspekte der Handlung auf den historischen Juristenprozess von 1947. Das Stück stellt grundsätzliche Fragen nach Schuld und Unschuld und nach der Möglichkeit objektiver juristischer Wahrheitsfindung. Dabei wird die Verletzbarkeit des Rechts ebenso thematisiert wie der Umgang mit dem Nationalsozialismus in der Nachkriegszeit. "Das Urteil von Nürnberg" zeigt, dass Recht nur dann Recht bleiben kann, wenn die Justiz nicht ihre Unabhängigkeit verliert.