Schnabeltassen (UA)

Eine Altenheim-Revue

Petra Afonin

Der Chorgesang: in jeder Senioreneinrichtung ein wichtiges Unterhaltungsangebot. Denn bekanntlich setzt gemeinsames Singen bei älteren Menschen Emotionen und Erinnerungen frei … Im Altenheim treffen sie alle aufeinander, die Gehbehinderten, die Parkinsonpatienten, die Demenzkranken, die Hypochonder und die Frohnaturen – und gemeinsam singen sie sich die Seele aus dem Leib. Das Repertoire der „Schnabeltassen“ reicht vom Gassenhauer aus den Zwanzigerjahren über Hildegard Knef bis zum sonnigen Sommerschlager. Da erklingt zum Beispiel der "Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strand-Bikini“ genauso wie Grönemeyers "Bochum“, oder "Auf am Wasa graset d' Hasa“ und "Leise rieselt der Schnee“. Auch wenn zwischendurch im Speisesaal der Futterneid regiert, die Bewohnerinnen und Bewohner permanent um Gunst und Zuwendung des Personals konkurrieren oder alte Herren nach wie vor die Damenwelt umgockeln – die Musik bringt wirklich alle unter einen Hut. Es wird gestritten, sich verliebt, man beschwert sich mit dem „Schnabeltassenblues“ und bejaht im nächsten Moment das fortgeschrittene Alter mit "Marmor, Stein und Eisen bricht“.
Acht Schauspielerinnen und Schauspieler in insgesamt elf Rollen wirbeln mit einer energischen – und ziemlich schwäbelnden – Pianistin (Susanne Hinkelbein) an der Spitze szenisch und musikalisch durch den Alltag eines Altenheims und sorgen für Ohrwürmer, viel Humor und manchmal auch für ein wenig Melancholie. Die Revue aus der Feder der in Tübingen lebenden Autorin, Schauspielerin und Regisseurin Petra Afonin ist mehr als ein Schlager-Potpourri. Sprachwitz in den Szenen und virtuose Musiknummern prägen den temporeichen Abend.