Gehen oder Der zweite April

Jean-Michel Räber

Gehen oder Der zweite April
Es ist ein stürmischer Abend, als Lore und Arno ihre Kinder Jan, Anna und Jule zu sich nach Hause bestellen, um ihnen einen wichtigen Entschluss mitzuteilen: Sie wollen nach fünfzig Ehejahren gemeinsam und „in Würde“ aus dem Leben scheiden. Doch der Abend verläuft anders als geplant: Jan hat eine dringende Videokonferenz, Jule ihren altersschwachen Kater dabei, und Anna bringt zu allem Überfluss noch ihre kleine Tochter mit – trotz vereinbarter „Erwachsenenzusammenkunft“. Bevor das Paar sein sorgfältig geplantes Vorhaben verkünden kann, entwickelt das Familientreffen eine Eigendynamik, die alte Geheimnisse, Missverständnisse und scheinbar längst vergessene Kränkungen zum Vorschein bringt. Von Minute zu Minute wächst Lores Anspannung. Werden ihre Kinder Verständnis zeigen? Was, wenn sie ihren Entschluss nicht verstehen? Arno ist sich sicher: „Wir sind eine solide Familie. Das Fundament steht.“ Noch. Denn der aufziehende Sturm droht das sichere Familiengebäude zum Einsturz zu bringen.
Der Autor Jean-Michel Räber trifft mit seinem Stück „Gehen oder Der zweite April“ einen schmerzhaften Nerv. Welchen Umgang findet man mit dem eigenen Älterwerden? Wie reagiert man auf den Wunsch seiner Eltern zu sterben? Und wo verläuft die Grenze zwischen Selbstbestimmung und Gewalt an sich selbst? Mit viel Feingefühl und Humor zeichnet Räber das Porträt einer Familie, die mit einem Schlag auf fundamentale Fragen zurückgeworfen wird.